Wird ein Fahrrad oder ein E-Bike wie ein Auto steuerlich behandelt?

Als Firmenfahrzeug wird im Steuerrecht ganz allgemein ein betrieblich zur Verfügung gestelltes Fahrzeug bezeichnet, das sowohl privat als auch beruflich genutzt wird. Im ursprünglichen Sinne ist damit ein Auto gemeint, also ein Kraftfahrzeug auf vier Rädern. Ausschlaggebendes Kriterium ist, dass dieses Fahrzeug gemischt für private und für berufliche Zwecke genutzt wird.

In der heutigen Zeit wird der steuerliche Begriff des Firmenfahrzeuges auf das Fahrrad oder das E-Bike ausgeweitet.In Großstädten werden Kurierdienste und Kurierfahrten zunehmend von Fahrradkurieren wahrgenommen. Sie arbeiten als selbstständige Gewerbetreibende. Die Kurieraufträge werden ihnen von einer oder von mehreren Kurierdienstzentralen zugewiesen. Der Verdienst ist ein Anteil im mittleren zweistelligen Prozentsatz des Auftragswertes, der von ihrem Auftraggeber mit dessen Kurierkunden vereinbart wird. Insofern arbeitet der Fahrradkurier als ein selbstständiger Subunternehmer. Als solcher kann er alle Kosten steuerlich absetzen wie seine „Kollegen“ in den vierrädrigen Fahrzeugen; nur eben für das Fahrrad, das Mountainbike oder das E-Bike.

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Privatvermögen oder Betriebsvermögen

Der selbstständige Fahrradkurier unterhält für das angemeldete Gewerbe ein Firmenkonto, um privat sowie geschäftlich klar und deutlich voneinander zu trennen. Darüber hinaus erfasst er in einem eigenen Verzeichnis sein bewegliches Firmenvermögen. Zu dem gehört das Fahrrad beziehungsweise E-Bike – oder auch nicht. Diese Entscheidung ist maßgebend für die steuerliche Abzugsfähigkeit der Kosten rund um das Zweirad.

Handelt es sich dabei um Privatvermögen, so kann je gefahrener Kilometer der Betrag von 5 Cent steuerlich geltend gemacht werden.

Für das Zweirad als Betriebsvermögen können sämtliche damit verbundenen Kosten ohne jede Kürzung steuerlich abgesetzt werden.

Private Nutzungsanteil

Allerdings muss auf der anderen Seite der private Nutzungsanteil wertmäßig versteuert werden. Um diesen Wertanteil erhöht sich das zu versteuernde Einkommen und in der Folge davon die Steuerlast.

Räumliche Trennung zwischen Wohnsitz und Betriebssitz

Sofern sich Wohnort und Betriebsstätte nicht unter derselben Anschrift befinden, kann die ansonsten ebenfalls übliche Entfernungspauschale von 30 Cent je gefahrenen Kilometer angesetzt werden. Das gilt in jedem Fall, also für das Zweirad als Privat- und als Betriebsvermögen. Entscheidend ist die räumliche Trennung zwischen Wohnsitz und Betriebssitz.

Allgemein gültige Regelung für Firmen- und Dienstfahrzeuge

Die Entscheidung Privatvermögen vs. Betriebsvermögen orientiert sich an der allgemein gültigen Regelung für Firmen- und Dienstfahrzeuge.

Liegt der Gesamtanteil an betrieblich-gewerblichen Fahrten unter 10 Prozent der insgesamt gefahrenen Kilometer, dann wird das Zweirad auf jeden Fall dem Privatvermögen zugerechnet

Bei einem Anteil ab 50 Prozent aufwärts ist das Zweirad immer ein notwendiges Betriebsvermögen

Bei einem Anteil zwischen 10 und 50 Prozent kann der Selbstständige entscheiden, ob er das Zweirad seinem Privat- oder dem Betriebsvermögen zurechnet

Betriebsvermögen – Gesamten Aufwand steuerlich absetzen

Vergleichbar mit einem Auto können bei dieser Variante sämtliche Kosten rund um das Zweirad-Fahrzeug steuerlich geltend gemacht werden. Zu ihnen gehören die Anschaffungs- und Finanzierungskosten, die Ausgaben für Reparatur und Wartung, für Zubehör- und Ersatzteile, bis hin zu Versicherungsbeiträgen oder zur Garagen- beziehungsweise Stellplatzmiete.

Abschreibungen

Die AfA, Absetzung für Aufwand ist eine weitere Möglichkeit zur Steuerreduzierung. Die Fahrradanschaffung bis zu einem Betrag von 410 Euro kann direkt im Anschaffungsjahr als geringwertiges Wirtschaftsgut, kurz GWG in voller Höhe steuerlich abgeschrieben werden. E-Bikes hingegen sind im vierstelligen Bereich deutlich teurer. Gemäß der offiziellen AfA-Tabelle können sie über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren anteilig abgeschrieben werden, begrenzt auf einen Anschaffungspreis von bis zu 3.000 Euro. Sofern eine überdurchschnittlich starke Beanspruchung nachgewiesen wird, zum Beispiel anhand der jährlichen Kilometerleistung eines Fahrradkuriers, kann das Finanzamt eine verkürzte Abschreibungsdauer und somit eine erhöhte Abschreibung anerkennen.

Privater Nutzungsanteil – Fahrtenbuch vs. Ein-Prozent-Regelung

Sofern das Zweirad zum Betriebsvermögen gehört, muss der privatgenutzte Anteil versteuert werden. Eine Möglichkeit ist das Führen eines Fahrtenbuches, so wie beim Firmenfahrzeug auch. Das muss lückenlos mit dem Auftragsfahrtenbuch als Selbstständiger korrespondieren.

Ein-Prozent-Methode

Der bürokratisch deutlich geringere Aufwand ist die sogenannte Ein-Prozent-Regelung für das Zweirad als notwendiges Betriebsvermögen, also bei einer Nutzung ab 50 Prozent aufwärts. Für jeden Monat der Privatnutzung wird ein Prozent des „Brutto-Listenneupreises“ als Betriebseinnahme angesetzt und dem zu versteuernden Monats- respektive Jahreseinkommen hinzugerechnet. Definiert wird dieser Preis als Hersteller-UVP, als der vom Fahrradhersteller angegebene unverbindliche Verkaufspreis. Das ist jeweils ein Bruttowert inklusive der gesetzlichen Mehrwertsteuer. Bei der Ein-Prozent-Regelung wird die gesetzliche Mehrwertsteuer nochmals, also on top hinzugerechnet.

Schätzung des Privatanteils

Bei einem betrieblich-gewerblichen Nutzungsanteil zwischen 10 und 50 Prozent kann der private Nutzungsanteil geschätzt werden. Diese Schätzung muss „plausibel“, sprich nachvollziehbar sein. Erfahrungsgemäß ergibt sich an diesem Punkt ein Erklärungs- und Diskussionsbedarf unter den beiden Beteiligten Steuerpflichtiger und Finanzamt.

Die beste Alternative

Anhand dieser Ausführungen kann sich der Selbstständige recht genau ausrechnen, welches für ihn persönlich die bessere, bis hin zu ideale Möglichkeit ist, um sein Zweirad steuerlich abzusetzen.

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